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Federwelt Newsletter Nr. 74, Mai 2006 Informationen für Autoren Ein kostenfreier Service der Autorenzeitschrift Federwelt 2.651 Abonnenten V.i.S.d.P.: Titus Müller |
Reisen in die Welt der Romanhelden |
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(Anzeige) Der vierte Autorenkalender des 42er Autoren e.V. --
jetzt erstmals im Uschtrin Verlag. Der unentbehrliche Begleiter für
Autorinnen, Schriftsteller, Literaturfreunde! Taschenkalender im Format A6, Fadenheftung mit
praktischem Lesebändchen. Uschtrin Verlag, 256 Seiten, 8,95 EUR. Wer die Ausgabe 2007 bis zum 30. Juni vorbestellt,
bekommt als Beigabe ein Frühstücksbrettchen, auf dem die Normseite erklärt
ist. |
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Der neugegründete Veranstalter "Salve Cultura" bietet Erlebnisreisen zu Romanschauplätzen
an. Dabei sollen die kleinen Gruppen von acht bis zwölf Teilnehmern den
Austausch mit Gleichgesinnten ermöglichen. Unter anderem werden in
Gesprächsrunden Buchauszüge gemeinsam gelesen. Die Hotels wurden so
ausgewählt, dass ein Kaminzimmer oder eine Bibliothek zur Verfügung steht. |
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Weniger Geld für Urheber |
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Geht es nach der Bundesregierung,
so soll der "2. Korb" der Urheberrechtsreform ab 2007 die Einnahmen
aus Geräteabgaben kürzen. Bisher geht beim Verkauf von Kopiergeräten,
Brennern usw. ein fester Betrag an Vereinigungen wie die VG Wort, um den
Urhebern legale Privatkopien zu vergüten. Zukünftig soll dieser Betrag an den
Preis des Geräts gekoppelt sein und wird dabei um etwa 50 Prozent gesenkt,
wie die GEMA berechnete. Allein im Filmbereich bedeutet das ein Minus von 20
Millionen Euro im Jahr für die Verwertungsgesellschaften. (Via www.mediafon.net.) |
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"Die drei !!!" |
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Nach dem Vorbild der Erfolgsserie "Die
drei ???" startet der Kosmos Verlag eine Krimi-Reihe
für Mädchen unter dem Titel "Die drei !!!", bei der drei junge Detektivinnen
mysteriösen Ereignissen auf den Grund gehen. Die ersten vier Bände sind
bereits im Handel. |
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Krise der Zeitschriften vorüber |
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Wie die Zeitschrift
"Horizont" meldete, verdienten Zeitschriften in 2005 rund 1,4
Prozent mehr durch Anzeigen als im Vorjahr. Besonders gut geht es den
Marktführern. Die 20 führenden Zeitschriften legten um 3,4 Prozent zu. Die
Krise des Anzeigengeschäfts, in deren Folge Tausende von Journalisten ihren
Arbeitsplatz verloren haben, erweist sich als überwunden. |
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Humorvolle Verlage |
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Die
Verlage zeigen in diesem Frühjahr Humor. Reclam schickte Bundesfinanzminister
Peer Steinbrück und den Mitgliedern des Haushaltsausschuss
Aristoteles' "77 Tricks zur Steigerung der Staatseinnahmen. Oikonomika II". Ob wir bald wie in der Antike
Steuern für lange Haare bezahlen müssen, oder für Haustüren, die sich zur
Straße hin öffnen? Die Aktion kam jedenfalls gut an, so heißt es. Mitarbeiter
des Eichborn Verlags putzten einer Buchhandlung in Frankfurt die
Schaufensterscheibe, um das 26jährige Verlagsbestehen zu feiern. Wir sagen:
Weiter so! Erfindungsreichtum begeistert. |
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Markus Heitz nach Großbritannien
verkauft |
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Nachdem Cornelia Funke, Andreas
Eschbach, Kai Meyer und andere mit Erfolg in England und den USA vermarktet
werden, wurden nun die Romane "Die Zwerge" und "Der Krieg der
Zwerge" des Autors Markus Heitz nach Großbritannien verkauft. Der Piper
Verlag fand in Deutschland 575.000 Käufer für die Fantasy-Saga
-- dem britischen Verlag Orbit, der zu Time Warner gehört, war das
offenkundig ein Anreiz. Unser Interview mit Markus Heitz aus dem Federwelt Newsletter Nr. 65 kann hier abgerufen werden: http://www.uschtrin.de/titus_65.html. |
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Ärger über Deutschen
Literaturfonds |
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Der
Deutsche Literaturfonds gibt 300.000 Euro aus, um zur Frankfurter Buchmesse
eine kostenlose Sondernummer der österreichischen Literaturzeitschrift
"Volltext" herauszubringen. Die Zeitschrift soll in einer Auflage
von einer Million Exemplaren erscheinen und kostenlos verteilt werden. Diese Ankündigung
sorgte für heftige Debatten in den Medien. Still und leise wurde
währenddessen der Literaturzeitschrift "Am Erker" der städtische
Zuschuss von 2.000 Euro gestrichen, obwohl die Zeitschrift seit Jahrzehnten
zum Besten gehört, was die Szene zu bieten hat. Nennt "Am Erker"
deshalb die Jubiläumsausgabe Nr. 50 "Literarisches Scheitern"? |
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Drei Fragen an ... Theo Breuer (Lyriker
und Verleger) |
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Wirtschaftlicher
Erfolg ist mit Lyrik zurzeit kaum möglich. Dennoch gibt es eine lebendige
Lyrik-Szene im deutschsprachigen Raum. Wie viele Gedichtbände erscheinen pro
Jahr? Ich unterscheide bei dieser Frage
zwischen seriösen Literaturverlagen (Großverlage, Kleinverlage und Handpressen) sowie den
unseriösen Hai-Verlagen der Vanity Press (die keine
Verlage im engeren Sinne sind). In den ca. 500 kleinen, mittleren und
großen seriösen Verlagen im deutschen Sprachraum erscheinen zwischen 2.000
und 3.000 Lyrikbände im Jahr. Der Löwenanteil wird von den Überzeugungstätern
in den kleinen Verlagen (von denen die meisten Einmannverlage sind)
herausgebracht. (Diese Zahl wird übrigens von den Erzeugnissen der
Hai-Verlage bei weitem übertroffen. Zum Glück für die Lyrik und die Leser
kommen diese Produkte nur in seltenen Fällen in den Buchhandlungen und
Bibliotheken an.) Obwohl ich täglich Lyrik lese, kann ich also nur einen
kleinen Teil der 2.000 bis 3.000 mehr oder weniger interessanten und
originellen Neuerscheinungen in der Lyrik zur Kenntnis nehmen. Wie
viele Leser erreicht ein Gedichtband im Schnitt? Was sind die
"Ausreißer" nach oben, die Überflieger in der Publikumsgunst? Von "Publikum" kann man in
der Lyrikszene kaum sprechen. Im deutschen Sprachraum gibt es deutlich
weniger Lyrikleserinnen und Lyrikleser als jährliche Neuveröffentlichungen.
Dabei definiere ich den Lyrikleser im engeren Sinne als den Leser, der
täglich Lyrik liest, der sich mit Lyrik und Lyriktheorie befasst, der sich
die Lyrikwelt als Ganzes erlesen will. Thomas Kling spricht von 300 Lesern
dieser Art, Hans Magnus Enzensberger hat großzügige 1354 ausgerechnet, ich
lege mich einmal bei rund 1000 fest. Typische Auflagen für lyrische
Einzeltitel sind 250, 500 und 750. Lyirkanthologien
haben Auflagen von ca. 500 bis 3.000. Der Neue Conrady.
Das große deutsche Gedichtbuch hat mehrere Auflagen und Ausgaben im
Bereich von über 12.000 verkauften
Exemplaren erlebt. Es gibt unter den Einzeltiteln keine
Auflagen mehr, wie sie einst Wondratschek und Fried erlebten. Diese riesigen
Zahlen kommen uns heute wie Wunder vor. Lyriker und Lyrikleser sind nach 2000
eine (vitale!) Geheimgesellschaft, die in der von anderen, leider wahnsinnig
mächtigen Medien beherrschten Öffentlichkeit -- außer vielleicht mit der
einen oder anderen Luftblase am Welttag der Poesie -- kein nachhaltiges
Interesse mehr weckt. In
deinem im November 2005 erschienenen 520seitigen Buch "Aus dem
Hinterland. Lyrik nach 2000" hast du über 1.000 Gedichtbände
bibliographiert und zum Teil auch kommentiert. Welchen drei Lyrikern würdest
du mehr Aufmerksamkeit wünschen? Für diese Frage bin ich nicht der
richtige Adressat. Warum drei und nicht vier? Warum nicht zwei oder zehn? Wie
du während der Lektüre von "Aus dem Hinterland. Lyrik nach 2000"
feststellst, geht es mir ja eben nicht um einzelne Autoren, sondern um die
Gestalt der Lyrik als Ganzes. Namen sind dabei unwesentlich. Deshalb wünsche
ich jedem der zurzeit etwa 1.000 bis 2.000 interessanten und originellen
Lyriker mehr Aufmerksamkeit (und jedem unter den Tausenden von
uninteressanten und unoriginellen umso weniger). Ein Kapitel in "Aus dem
Hinterland" heißt Sistiger Favoriten. Darin
können die zwölf primae inter pares nachgelesen werden, von
denen verstreut im ganzen Buch rund zwei Dutzend zu finden sind. Ich peile
mal über den Daumen: Rund 20 Lyrikerinnen und Lyriker von etwa 2.000 stellen
für mich das aktuelle Sahnehäubchen auf dem Poesiebaumkuchen dar. Ich
verweigere mich dem name dropping
des Feuilletons, das immer nur einigen wenigen Preisträgerinnen und
Preisträgern einen Nebenschauplatz gewährt. Nein, das Gedicht an sich braucht
wieder mehr Aufmerksamkeit! Dabei ist es letztlich unerheblich, ob es vor
tausend Jahren geschrieben wurde oder heute. Nur frisch muss es sein, frech,
provokativ, vor allem aber, um mit Rimbaud zu sprechen: absolument moderne ... |
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